Einer meiner Lieblingsmythen ist die Mär vom kochenden Wasser für den Aufguss von Grüntee. So gut wie jeden Tag kommt ein Kunde, es entwickelt sich ein Gespräch und da ist er wieder:"Aber das Wasser muss doch immer zuerst kochen!" Gegenfrage (als Verkäufer kommt dieses Technik hier allerdings nur gut, wenn man den Kunden schon kennt): "Warum denn?" Jetzt tritt meistens eine Pause ein, die der gemeine Teefachverkäufer fieserweise nicht im Mindesten gedenkt zu verkürzen. Kleine, hektische Blicke zur Seite, hilfesuchend beim Partner... aber auch dieser runzelt nur die Stirn. Die Pause wird immer länger, bis schließlich der rettende Einfall ein Lächeln auf die Lippen des Kunden zaubert. "Na wegen der Keime im Wasser natürlich."
An dieser Stelle wäre nun ein Link zum Fresenius-Institut gut gewesen. leider habe ich auf die Schnelle keinen adäquaten Artikel gefunden und sage dem Kunden schlicht: "Dann müsste man jedoch vor dem Zähneputzen auch jedes Mal das Wasser kochen lassen." Ha, das war dann wohl der verbale Knock-out, denn nun überlegt der Kunde kurz und tut das einzig Richtige: Er gibt einem anderen die Schuld. Namentlich können das andere Verkäufer, wohlmeinende Freunde, die Oma, der Schwager oder natürlich - er bietet sich immer als Sündenbock an - der bayerische Gesundheitsminister Söder sein. Wenn ich es recht überlege, muss das sogar der Söder gewesen sei.I Aber ja, so ein Quatsch kann ja nur... Ist ja gut: selbst für einen Blog aus seiner Heimatstadt Nürnberg ist das zuviel. Was rede ich denn da!? NATÜRLICH IST ER SCHULD!! Manchmal ist eben auch die einfache Erklärung die Richtige.
Zurück beim Thema erkläre ich, oder vielmehr erwähne ich, dass das Wasser zum Abtöten von Keimen beim Wasser mindestens 10-15 Minuten kochen muss. Diese Zahl nannte mir einmal ein Kunde der beim hiesigen Wasserversorger N-Ergie als Kundenberater in diesem Bereich tätig ist. Wer schon mal den Verkehrsfunk gehört hat weiß ebenfalls, dass bei verschmutztem Trinkwasser immer dazugeraten wird, dieses 15 Minuten abzukochen, auch vor dem Zähneputzen, um das Wasser keimfrei zu machen.
Mein Rat also: digitalen Wasserkocher kaufen, Temperatur einstellen und Zeit sparen, die man morgens meistens sowieso nicht im Überfluss hat. Kurz bevor der Kunde geht, hat er dann doch noch eine kleine Frage schüchtern vorgetragen: " Aber den ersten Aufguss muss man schon wegschütten, oder ?" Nun werde ich leicht hektisch, denn das ist definitiv einer der Anwärter auf den Spitzenplatz der Teemythen, wenn nicht sogar die Nummer Eins. Ich bitte den Kunden wieder zurück in den Laden und beginne ....
Davon mehr beim nächsten Teemythos, wenn es wieder heißt "Das ist so nicht ganz richtig!"










ich muss leider widersprechen - es ist nicht Mythos, sondern tatsächlich sinnvoll, dass Teewasser zu kochen.
Kurz einen Blick in das Grünteeland schlechthin: Japan. Hier werden so gut wie alle Grüntees nicht kochend heiß, sondern mit 80 Grad und weniger aufgegossen - trotzdem wird das Wasser gekocht. Denkbar unpraktisch, könnte man meinen. Warum tun sich die Japaner das an? Wo es doch Wasserkocher mit Temperatureinstellung seit den 80er Jahren gibt?
Warum also? Hauptgrund ist nicht gesundheitlicher Natur (wenigstens in Europa müssen wir uns darüber keine Sorgen machen), sondern der Geschmack.
Tee mit auf 80 Grad aufgewärmten Wasser und Tee mit gekochtem, auf 80 Grad abgekühltem Wasser schmeckt tatsächlich anders - kann ich als Teataster bestätigen.
Der Hauptgrund ist der Sauerstoffgehalt des Wassers - Wasser sprudelt beim Kochen und nimmt Sauerstoff auf -> es schmeckt anders.
Hoffe, dass die Erklärung Euch beim Tee genießen weiterhilft, macht mal den Vergleichstest ;-)
lg,
Euer Matcha.Genius
ich weiß Ihre Kenntnis zu schätzen und muß trotzdem ebenfalls Einspruch erheben.Nachdem ich auch schon 20 Jahre , vor allem, Grüntee verkaufe ist mir diese Erklärung auch schon untergekommen. Auf diversen Treffen mit japan. Großhändlern konnte ich sowohl Ihre als auch meine Herangehensweise sehen. Es erscheint mir zu einfach den erhöhten Sauerstoffgehalt anzuführen, zumal ja auch nicht jeder ein Teataster ist und man daraus keinen Glaubenskrieg machen sollte. Wenn wir über absolute Spitzentees, natürlich auch tolle Matchasorten, reden, nutzt die beste Methode nichts wenn der zu heiß oder mit schlichtem Leitungswasser aufgegossen wird. Selbstverständlich habe auch ich mehrfach Vergleichstests gemacht und es fällt ins Auge, dass gerade ein Alltagstrinker eine einfachere Methode benötigt um "seinen" Tee geniessen zu können. Hauptsächlich geht es hier nämlich nicht um Spezialisten, sondern den ganz normalen Genusstrinker der das Vorurteil hat er könnte durch das Abkühlen Keimfreiheit erreichen. Dem haben Sie ja ebenfalls widersprochen.
Weiterhin viel Spaß beim Genuss des edelsten und vielseitigsten Getränks der Welt.
Viele Grüße,
Alexander poetsch
habe ich verstanden - wenn man es möglichst einfach erklären möchte, dann schmeckt der Tee ja logischerweise auch nicht etwa schlecht.
Ich persönlich habe nur die Erfahrung gemacht, dass die Wassertemperatur heutzutage keine Hexerei mehr für die meisten Teetrinker ist, aber wahrscheinlich hängt das von der Stadt ab? In Hamburg haben die meisten Teetrinker den Trick ja schon raus.
Wichtiger ist eigentlich der Tipp, weiches Wasser zu nehmen. Aber auch das ist wahrscheinlich kein Tipp für Leute, die eben erst Tee entdecken ...
Herzliche Grüße aus Hamburg,
Matcha.Genius
also ich dachte immer es geht um das Clor, das durch das kurze Aufkochen entweichen kann? Bei Wasserfilter dann eher nicht so dass Problem.
Wie ist das mit Wasser aus der Mikowelle? Wenn der Firmenwasserkocher so verkeimt ist ... na ja ... dann gebe ich das Wasser in die Tasse, ab in die Mikowelle für 1 Minute und schon ist es temperiert. Ist dagegen etwas zu sagen?
Gruß Peter
Arbeitsplatz wechseln...;-), wenn der so verkeimt ist kümmert sich ja keiner um Euer Wohlbefinden. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht welche Temperatur eine Mikrowelle erzeugt. Prinzipiell ist aber deutsches Leitungswasser kein Problem. Verkeimte Wasserkocher aber schon, deshalb erst reinigen und dann genießen.
Liebe Grüße, Alexander