Vor einigen Wochen hatte ich großes Glück, denn ich lernte zufällig Michael Blöser kennen. Der Chemiker arbeitet seit über 30 Jahren in der Lebensmittelindustrie und hatte sich in den letzten Jahren u.a. auf die Aromatisierung von Tee spezialisiert. Ein idealer Gesprächspartner für teepod.de, um das Thema einmal von Grund auf zu erklären. Wer nach der Lektüre Lust auf verantwortungsvoll hergestellten aromatisierten Tee hat, bei dem beste Zutaten verwendet wurden, der kann sich hier durch unser Sortiment klicken: Aromatisierter Tee bei Evas Teeplantage.

Gastautor Michael Blöser

© Foto: privat

In einer Folge von Artikeln schreibt Michael Blöser ab sofort auf teepod.de, wie Tee aromatisiert wird, worauf es dabei ankommt und welche Unterschiede es bei den verwendeten Zutaten und bei der Produktion zu beachten gilt. Dabei klärt er heute folgende Fragen:

  • Warum wird Tee überhaupt aromatisiert?
  • Wie kommt das Aroma in den Tee?

In den nächsten Beiträgen geht es um …

Ich verlinke alle Fragen, sobald die Artikel erschienen sind. Aber jetzt geht es los mit einer Grundfrage:

Warum wird Tee überhaupt aromatisiert?

Der Anteil aromatisierter Tees am gesamten Teekonsum hat in den letzten Jahren in Deutschland und vielen anderen europäischen Staaten stets zugenommen. Egal ob klassischer Tee oder die sehr beliebten Früchte- und Kräutertees: ohne Zusatz von Aromen geht es in vielen Fällen nicht, möchte man doch ein sensorisches Erlebnis erzielen. Es gibt zwei wichtige Gründe, warum der Einsatz von Aromen seine Berechtigung hat:

Aromen werden einerseits eingesetzt, um einem Tee einen völlig „neuen Geschmack“ zu geben. Dann wird beispielsweise aus einem klassischen schwarzen Tee ein nach Erdbeere oder Vanille oder anderem Aroma schmeckender schwarzer Tee – ohne dass irgendwelche Früchte oder andere Zutaten hinzugefügt werden.

Die zweite Variante

Viele angebotene Tees sind interessante Mischungen aus klassischen Tees verschiedenen Ursprungs – verfeinert mit getrockneten Kräutern, Früchten oder Gewürzen. Sie kennen auch die vielfältigen Früchtetees auf Basis Apfel, Hibiskus oder anderer Früchte und auch die endlose Vielfalt von Kräutertees. Leider verlieren insbesondere die Früchte – aber auch andere geschmacksgebende natürliche Zutaten – beim Trocknungsprozess den größten Teil des eigenen natürlichen Aromas. Deshalb wird in den meisten Fällen der verloren gegangene Geschmack durch eine zusätzliche Aromatisierung wieder herhergestellt, damit die Tees auch wirklich gut und vor allem nach den zugesetzten Zutaten schmecken.

Wie kommt das Aroma in den Tee?

Ein Aroma besteht aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Molekülen, die entweder aus natürlichen Ausgangsmaterialien wie z. B. Früchten oder Gewürzen extrahiert oder andere natürliche Prozesse wie z. B. Gärung/Fermentation erzeugt werden. Alternativ werden Aromen auch synthetisch/chemisch erzeugt und haben einen mitunter völlig vergleichbaren charakteristischen Geruch und/oder Geschmack wir die natürlichen Ausgangsprodukte. Diese Moleküle sind in unterschiedlichen Medien – meist Wasser oder Alkoholen gut löslich. Diese Lösungen bezeichnet man folglich als ein flüssiges Aroma.

Bei den meisten hochwertigen Tees, wie sie  Teefachgeschäften verkaufen, werden diese flüssigen Aromen auf den Tee bzw. die Teemischungen aufgesprüht und anschließend durch intensives Mischen gleichmäßig verteilt. Dieser Prozess ist sorgfältig durchzuführen, da der Teetrinker nur eine relativ kleine Menge Tee pro Tasse einsetzt und es sonst bei jedem neuen Aufguss zu Geschmacksschwankungen käme.

Durch diese flüssige Aromatisierung schmecken die Tees nicht nur angenehm nach dem aufgesprühten Aroma, sondern sie riechen auch entsprechend aromatisch. Das ist ganz wichtig, denn der Kauf eines Produktes entscheidet sich meist beim ersten Riechen an einer frischen Teeprobe direkt im Teefachgeschäft.

Eine andere Variante ist, den Tee mit einem Aroma in Trockenform (Pulver oder Granulat) zu mischen. Dabei wird das zuvor flüssige Aroma auf einen sohenannten Träger wie z. B. Stärke oder natürliches Gummi Arabicum „aufgetragen“ und damit in ein leicht mischbares Medium überführt. Diese Art der Aromatisierung hat leider den Nachteil, dass die Tees nicht mehr so intensiv nach dem Aroma riechen. Sie schmecken jedoch völlig gleich, wie flüssig aromatisierte. Dafür haben diese Tees aber eine deutlich längere Haltbarkeit von bis zu 2 Jahren oder sogar länger, wo hingegen das Geschmackserlebnis bei der klassischen flüssigen Aromatisierung nach wenigen Monaten bereits nachlassen kann. Besonders empfindlich sind alle Zitrus-Aromen, die sogar zu deutlichen Geschmacksveränderungen aufgrund des Oxidationsprozesses mit dem Sauerstoff aus der Luft führen kann.
Deshalb sollte ein aromatisierter Tee unabhängig davon, welches Aroma verwendet wurde, auch nicht ewig aufgehoben werden. Frisch ist immer am besten! Das gilt wirklich für jeden Tee – ob aromatisiert oder nicht!