Warum der geliebte Tee plötzlich nicht mehr schmeckt

Der ein oder andere Spötter mag jetzt behaupten, dass ich dieses Thema aufgreife, weil ich auf die 50 zugehe. Weit gefehlt, denn es ist ein Thema, das uns im Alltag des Tee-Verkaufs begleitet. Immer wieder fragen Kunden, woran es liegt wenn sich ihr Geschmack, zum Teil erheblich, von dem vergangener Tage unterscheidet.

Dass dies eine Tatsache ist, war uns schnell klar, als wir über diese Gespräche nachdachten und bemerkten, dass auch unser persönlicher Geschmack im Lauf der Jahre nicht derselbe geblieben ist. Die verwendeten Mengen bei der Zubereitung des Tees stiegen an und auch die Ziehzeit ist eine länger als früher. Zeit also, diesem Thema auf den Grund zu gehen.

Zuerst einmal gilt es eine persönliche Geschmacksveränderung von einer körperlichen zu unterscheiden. Persönliche Vorlieben ändern sich bei manchen Kunden nie und sie kaufen ihr Leben lang denselben Tee. Andere möchten am liebsten jedes Mal etwas Neues probieren und haben eine lebenslange Neugierde auf den nächsten interessanten Tee.

Im Laufe der Lebensjahre nimmt allerdings bei allen Menschen die „ Zahl und Dichte der Geschmacksknospen“ [1] ab. „Während ein Säugling noch rund 10.000 Geschmacksknospen hat, sind es beim Erwachsenen nur noch etwa 5000; die Zahl kann sich bis auf 900 vermindern.“ [2] Auch sind diverse Medikamente dafür bekannt, dass sie die sogenannte Schmecksensivität negativ beeinflussen. Ich möchte einen, zwar langen, aber aufschlussreichen Satz zitieren, der bei mir für ein Aha-Erlebnis gesorgt hat:

Die verminderten Schmecksensitivitäten im Alter betreffen die vier Grundgeschmacksqualitäten süß, salzig, sauer und bitter meist nicht in gleichem Ausmaß [..]. Ältere Menschen haben bei sauren und bitteren Stimuli größere Schmeckschwellenveränderungen (dies bezeichnet Höhe der Konzentration eines Geschmacks ab der er individuell wahrgenommen wird, Anm. d. Autors) als bei salzigen und süßen [..]. Am besten ist die Wahrnehmung süßer Stimuli bis ins hohe Alter erhalten. Möglicherweise sind deshalb süße Speisen bei Senioren so beliebt. [1]

Da können wir aus dem Tee-Alltag tatsächlich berichten, dass saure, oder besser säuerlich aromatisierte Tees, bei der älteren Kundschaft tatsächlich eher selten gewünscht werden und auch sehr kräftige Schwarztees, vor allem Assam-Tees in den Hintergrund treten und leichte Darjeeling-Tees bevorzugt werden. Diese haben tatsächlich einen schmeckbaren, wenn auch leichten, Einschlag ins Süßliche. Ausnahme sind sehr malzig Assam-Tees wie Mokalbari East beispielsweise. Diese werden wohl nicht wegen der Stärke des Tees konsumiert, sondern wegen des deutlich süßlich-malzigen Geschmacks. Auch einige Tees aus China, wie der Diang Hong oder Panyong, haben diese süßlichen Noten und werden hier häufiger von der älteren Kundschaft gewünscht.

Interessant ist auch, dass uns vor allem von weiblichen Senioren ein regelrechter Heißhunger auf Süßes beschrieben wird. In fast allen Artikeln zum Thema wird auch dies berichtet. Vor allem bei Frauen wird die Schmeckschwelle für Süßes immer noch als sehr ausgeprägt von der Fachliteratur beschrieben. Bitteres, Salziges und Saures ist also nicht so attraktiv, weil es erst sehr spät wahrgenommen wird.

Ganz allgemein können noch diverse andere Faktoren bei der Sensivität eine Rolle spielen. Zum Beispiel sind dies.

  • (Mangelhafte) Mundhygiene
  • Vorhandensein einer (Voll)Prothese (Gebiss). Diese ist für das Geschmacksempfinden nicht förderlich, denn sie verdeckt Geschmacksrezeptoren im Mund.
  • Kauprobleme. Sie verhindern, dass die appetitanregenden Geschmacks-und Geruchsstoffe freigesetzt werden können.
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Strahlentherapie (z.B. im Kopf-Hals-Bereich)
  • Schädigung bestimmter Hirnnerven
  • Zinkmangel

[3]

Wie ist das bei Ihnen? Haben sich Ihre Teevorlieben in den letzten Jahren verändert? Und glauben Sie, dass dies etwas mit körperlichen Veränderungen zu tun hat oder sind Sie einfach offen und experimentell beim Ausprobieren neuer Teesorten?

 

 

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Quellenangaben
1: http://www.allergiezentrum.org/de/infos-fuer-aerzte/60-schmeckstoerungen-im-alter
2: https://www.ugb.de/exklusiv/fragen-service/schmecken-senioren-weniger/?geschmack-geschmacksrichtungen
3: https://www.wohnen-im-alter.de/fachartikel/geschmacksveraenderung