In den letzten Monaten habe ich über zwei Facebook-Gruppen viele tolle Unternehmerinnen kennen gelernt. Frauen, die den Mut hatten, etwas völlig Neues zu wagen und Geschäftsideen umzusetzen, von denen sie schon lange träumten. In den kommenden Monaten möchten wir Ihnen einige dieser Unternehmerinnen vorstellen – natürlich solche, die Tee genauso lieben, wie wir. Heute dürfen wir Ihnen zur Premiere Beatrix Schmiedel vorstellen. Sie hat sich als Zeremonienmeisterin und Traurednerin selbstständig gemacht und ihr Unternehmen passend dazu Im Namen des Glücks genannt.  Nebenbei verdient sie ihre Brötchen auch noch als Marketingberaterin. Klingt spannend? Finden wir auch. Voilà:

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© Beatrix Schmiedel

Ich bin Beatrix, 38, und lebe in Köln. Ich habe das Glück, gleich zweimal den schönsten Job der Welt erwischt zu haben. Als Marketingberaterin habe ich Kunden, die mir vertrauen und auch den langen Weg mit mir gehen wollen. Ich kann mich tief in Themen einarbeiten und werde so eher zur „internen Externen“. Ich darf meine Stärken – Neugier, Mut, Wortgewandtheit – ausleben, Produkten und Dienstleistungen Namen geben und mein Team aus Designern und Programmierern immer wieder mit auf eine neue Reise nehmen. Meine Kunden schätzen an mir meine Vielseitigkeit, dass ich mit ihnen große Pläne mache und ihnen oft auch außerhalb eines Marketingprojektes Rat geben kann und sie mir vertrauen können, weil ich zwar groß denken kann, aber alles in realistische Umsetzung für sie gieße.

Als Zeremonienmeisterin und Traurednerin ist es ähnlich, nur herzergreifender. Ich darf die Geschichte eines Paares in die richtigen Worte fassen, darf Zeremonien entwickeln, die manchmal leise und romantisch und manchmal laut, voller Lachen und sprühender Funken sind. Ich bin an schönen Orten, mit fröhlichen Menschen, umgeben von Liebe. Was gibt es schöneres? Manchmal, wenn ich ganz früh morgens oder spät abends an meinem kleinen Schreibtisch sitze, den mein Opi mir gebaut hat, an einer Rede schreibe und vor meinem inneren Auge die Zeremonie schon sehen kann, dann muss ich tief atmen und weiß, dass ich einen der schönsten Job der Welt hab. Hochzeitsrednerin zu sein, hat mir gezeigt wie es ist, wenn man wirklich für etwas brennt und in einem Job angekommen ist. Irgendwie ist es dann kein Job mehr, sondern Herzenssache. Dann sind Uhrzeiten, Wochentage und andere Regeln einfach egal geworden.

Wenn ich das so lese, wird mir ganz romantisch ums Herz. Ich denke, an unsere eigene Hochzeit und daran, dass unsere Standesbeamtin zwar ganz nett war, die Rede aber nicht viel mehr als Ok. Schade, dass ich Beatrix damals noch nicht kannte. Nun aber will ich wissen:

© Beatrix Schmiedel

© Beatrix Schmiedel

Wie hast du früher in deiner Familie Tee getrunken und welchen Stellenwert/welche Rolle spielte Tee damals für euch?

Ich erinnere mich an eine Ferienfahrt, da war ich zehn oder elf Jahre alt. Jeden Morgen gab es Kannen voller schwarzem Beuteltee und nachmittags Hagebutte aus den selben Kannen. Gruselig! Als Jugendliche hab ich Saft getrunken, Limonade, alles mögliche – nur keinen Kaffee und Tee in meiner Erinnerung auch nur selten und wenn, dann Früchtetee. Tee hatte keine Bedeutung – wenn man krank war, gab’s Kamille oder Pfefferminze und fertig. Später, mit Anfang 20 während des Studiums, kaufte ich dann oft aromatisierte Früchtetees zweifelhafter Qualität in Blechdosen in irgendwelchen Geschenkeläden. Meine „Teekarriere“ begann also eher unterirdisch.

Ich denke, diese Erfahrung teilt Beatrix mit Vielen. Tee ist in unserer Gesellschaft einfach noch nicht angekommen. Nicht so üblich und selbstverständlich wie Kaffee. Und wenn, dann bei Krankheit oder üble Qualitäten an Beuteltees. Geschmacksarm und, wenn es um Früchtetee geht, sauer. Schade eigentlich. Was so gruselig begann, änderte sich  zum Glück dann doch noch:

Welche Teesorten trinkst du gerne?

Ich mag grünen Tee, auch leicht aromatisierten, Earl Grey mit Milch und frische Kräutertees. Gerne auch Marokkanische Minze mit Grüntee gemischt. Mit Früchtetees oder Roibusch kann man mich hingegen meist jagen.

Wechselst du die Sorten öfter mal oder bleibst du in der Regel bei deiner Auswahl?

Ich wechsele nur wenig, aber lasse mich gern überraschen! Letzthin habe ich erst den Kräutertee aus meinem Lieblingscafé auch für zu Hause gekauft, weil er einfach toll schmeckt. Und ich lasse mich von meinem Teehändler gern zu einem Pröbchen überreden, bin da aber auch eher festgefahren. Grün darf er sein, kräuterig oder schwarz.

Wenn du experimentierfreudig bist, welche Sorten hast du in letzter Zeit ausprobiert und kannst du empfehlen?

Letzthin war ich bei einem Brautpaar zur Vorbereitung ihrer Trauung und die Braut hatte einen „Milky Oolong“ gerade frisch gekauft. Den brühte sie uns auf und hat mich damit sehr überrascht – er war ganz weich und als hätte er wirklich einen Schuss Milch gehabt, ein klitzekleines bisschen karamellig, aber alles in allem sehr sanft und zurückhaltend – den werde ich demnächst auch kaufen, wenn ich wieder meine Vorräte auffülle.

© Beatrix Schmiedel

Was ist dir beim Einkauf von Tee wichtig?

Ruhe und dass ich mit dem Teehändler ein bisschen quatschen kann. Er hat mich in einem kleinen Plausch vor einigen Jahren zum Grüntee gebracht und immer einen guten Tipp parat. Und ich mag einfach den Geruch in Teeläden, das leicht süße, kräuterige und das Geräusch, wenn er mit dem kleinen Schippchen den Tee in die Tüte füllt. Und natürlich ist wichtig, dass keine Chemie drin ist.

Kaufst/Trinkst du Tee auch unterwegs, z.B. in Cafés, Hotels etc.? Was fällt dir dabei auf?

Absolut, ja! Und viele viele Cafés und Hotels versuchen auch, auf die Bedürfnisse von Teetrinkern einzugehen. Sie haben dann eine Auswahl von Beuteltees in einer Holzkiste und einen Samowar da stehen. Für den Nicht-Teetrinker wirkt das toll, aber ich mag meinen grünen Tee nicht zu heiß gebrüht und muss da immer meinen inneren kleinen Tee-Mäkelheinz zur Ordnung rufen. Teetrinker werden oft auch mit Granulaten oder Sirups abgespeist – wir sind einfach keine Teekultur. Vor ca. zwei Jahren war ich bei einem Kunden im Büro und dort gab es die ultimative Tee-Bar: Lose Tees bester Qualität, Glaskannen, schöne Teetassen… ich hätte stundenlang dort sitzen und Tee trinken wollen, so entspannt waren ich und der Termin.

Ja, denke ich, das kommt mir bekannt vor. Ganz selten findet man mal in Cafés oder Hotels richtig guten Tee, bei dem auch wir Grüntee-Trinker nichts zu Meckern haben. Wir hoffen immer noch, dass sich das mit der Zeit ändert. Tee nur zuhause genießen zu dürfen, ist eben doof.

Was verbindest du mit einer Tasse Tee? Warum trinkst du sie?

Tee ist für mich eine Grundlage für Entspannung und relaxte Atmosphäre. Er muss ziehen, je nach Sorte braucht er Aufmerksamkeit und er ist vielseitig. Tee kochen beginnt mit der Frage: Worauf habe ich Lust, was brauche ich jetzt? Und selbst aus kaltem Tee kann man noch was machen.

Was hältst du vom Detox-Trend?

Kräuter sind immer gut für den Körper und wenn Tee helfen kann, gesund zu bleiben – warum nicht! Ich hab selbst noch keins der Tee-Detox-Angebote ausprobiert. Für mich ist eine Tasse Tee, im Sommer morgens auf der Schwelle zum Balkon getrunken, ein Gedankendetox. Und da halte ich immer viel von!

© Beatrix Schmiedel

© Beatrix Schmiedel

Welchen Tee trinkst du, wenn du schnell wach werden willst?

Starken Earl Grey, einen japanischen Sencha oder einen Ostfriesen mit einem Schuss Milch. Wobei ich Tee noch nie als Wach-werd-Elixier genutzt hab.

Und welchen zur Entspannung?

Marokkanische Minze mit einen kleinen Schuss Rosenwasser aus dem Biomarkt, das ist so toll! Oder Kräutertee, je nach Tageszeit.

Tee mit Koffein trinke ich …

Nur bis mittags, danach steige ich auf Kräutertee um.

Du hast ein Patenkind – trinkt sie auch Tee und wenn ja, was ist dir dabei wichtig?

Mein Patenkind ist erst zwei, aber sie beobachtet sehr neugierig, wenn ich mit ihrer Mama nachmittags Tee trinke. Das ist dann oft Early Grey oder ein Ostfriesentee, bei dem die Sahne ja mit einem kleinen Löffelchen so ganz speziell in den Tee geträufelt wird. Davon kann ich meist nicht gut schlafen, aber ich würde auf den Moment nicht verzichten wollen. Sie stößt nämlich gern mit ihrer Milchtasse mit uns an und will jetzt auch so langsam zu uns Teetrinkern gehören. Manchmal fragt sie uns auch mit hochgezogenen Augenbrauen: „Tee?“ und dann wissen wir: Es ist Zeit für ein Tässchen.

Was Beatrix beschreibt, kenne ich von unseren Kindern. Nur dass sie schon mit dem japanischen Grüntee aufwachsen und uns schon mit ein paar Monaten die ersten Schlucke aus unseren Tassen erbettelten. Momentan trinkt unser 1-Jähriger gerne beim Grüntee oder Darjeeling mit, zwar keine riesigen Mengen, die ihm den Schlaf rauben würden, aber er mag den Geschmack einfach gerne. Der 3-Jährige hat das bis vor Kurzem auch noch gemacht, jetzt allerdings bevorzugt er Leitungswasser. Nun gut – wer weiß, was noch kommt.

Kommst du im  Alltag als Unternehmerin überhaupt noch zum Tee trinken?

Müsste ich auf meinen Tee verzichten, das wäre fatal! Morgens koche ich zuerst eine Kanne und stelle sie aufs Stövchen, trinke meinen Frühstückstee und dann kann der Tag losgehen.

© Beatrix Schmiedel

© Beatrix Schmiedel

Was mir noch einfiel, als ich über deinen Fragen saß:

Ich mag den Geruch von Kaffee wirklich gerne und trinke meiner Omi zuliebe auch einen Kaffee mit, wenn ich bei unseren seltenen Besuchen bei ihr und meinem Opi zum Kuchenessen bin. Dann kippe ich aber nahezu das komplette Milchkännchen rein.

Die Sache mit dem Grüntee…

Vor einigen Jahren stand ich beim Teehändler und er wollte mir eine Probe Grüntee mitgeben. Ich sagte: „Och neee, Grüntee…der wird immer so bitter, da komme ich gar nicht dran, bä!“ Der Teehändler lachte nur und sagte: „Ok… wenn Sie sich an das halten, was auf der Packung zu Menge, Ziehzeit und Temperatur steht, verspreche ich Ihnen: Sie werden ihnen lieben.“ Ich gab dem ganzen eine Chance: 80 Grad, zwei Minuten. Und kam zwei Wochen später, kaufte ein riesiges Paket der Sorte „Marani“ (einen aromatisierten Grüntee), legte mir einen Wasserkocher mit Temperaturanzeige und einen Timer zu und schwelge seitdem im Grünteeglück. Und wenn heute einer sagt: „Bä, Grüntee, bitter…!“, dann grinse ich nur und hole ihm eine Tasse.

Beatrix Schmidel

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© Beatrix Schmiedel

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Liebe Beatrix,

es war mir eine Freude, mit dir über Tee zu plaudern. Und die Sache mit dem Grüntee können wir nur unterstreichen. Oft kommen neue Kunden mit dem Vorurteil in unser Teegeschäft, Grüntee sei bitter. Gut, dass wir sie dank der richtigen Zubereitungsempfehlung vom Gegenteil überzeugen können. Es ist gar nicht schwer, Grünen Tee richtig zuzubereiten, wenn man sich ein bisschen damit beschäftigt.

Wir danken dir für deine Offenheit und wünschen dir weiterhin viel Erfolg mit deinen Liebespaaren.

Im April stellen wir hier im Blog die nächste leidenschaftliche Teetrinkerin vor. Seid gespannt!