Wirft man einen Blick in das Regal eines gut sortierten Teehändlers, entdeckt man schnell einen Tee, dessen Kategorisierung sehr schwierig ist: weder Schwarz- noch Grüntee und je älter desto teurer. Was kann das sein?

Richtig geraten, hierbei handelt es sich um Pu-Erh-Tee. Das Geheimnis des fremd klingenden Namens ist schnell gelöst: Pu Erh ist eine Stadt in der Region Ba Dan Shan aus der der Tee kommt. Nach der Revolution wurde sie in Simao umbenannt, seit 2007 heisst sie wieder Pu Erh.

In dieser abgelegenen Region wächst die Quingmao-Pflanze, eine baumartige Variante der Teepflanze. Diese Pflanzen stehen auf bis zu 2000 Höhenmetern beeindrucken nicht nur mit einer Höhe von 30 Metern, sondern auch einem geschätzten Alter von 800 Jahren.

Herstellung

Die ursprüngliche Herstellungsmethode für den Pu-Erh Tee war recht einfach, aber sehr langwierig. Die Blätter des Quingmao-Baumes wurden direkt nach der Ernte gedämpft und in Form gepresst. Meist handelt es sich bei der Form um einen Fladen mit ca. 15cm Durchmesser. Dies hatte einen einfachen Grund: er ließ sich leicht transportieren. Es existieren verschiedene Formen des gepressten Tees, wie z.B. die an „Vogelnester“ erinnernden Tuo Cha (Tuo = Pressen),die flachen „Ziegel“ namens Fang Cha (Fang = Ziegel), die einem Diskus zum Verwechseln ähnlichen Bing Cha (Bing = Scheibe) und die berühmten Bambustees (Pu Errh wird zum Lagern und Transport in ein hohles Bambusrohr gepresst).

Nach dem Pressen lagerte der Teebauer die Fladen oder Ziegel für mindestens 5 Jahre ein, damit dieser reifen konnte. Verschiedene Mikroorganismen beeinträchtigten den Reifeprozess und verändern so Duft, Geschmack und Aroma des Tees. Früher wurde der Tee bei seinem Teebauern eingelagert und rauchte so regelrecht vor sich hin.

Diese lange Reifezeit wurde in den Siebzigerjahren mit Hilfe von Starterkulturen auf wenige Monate verkürzt. So kann der Tee zu weitaus günstigeren Preisen angeboten werden.
Teeliebhaber können aber nach wie vor die traditionell gereifte Variante erwerben. Zu einem etwas höheren Preis versteht sich.

Ein natürlich reifender, trocken gelagerter Pu Erh wird mit Sheng bezeichnet. Ein feuchter gelagerter, beschleunigt reifender Pu Erh wird mit Shou bezeichnet.

Zubereitung

Für die Zubereitung und den Genuss dieser Teespezialität sollte man sich Zeit nehmen, um sie bewusst zu genießen.

Das Teewasser sollte eine Temperatur von 95°C nicht überschreiten und der erste Aufguss sollte auch nur wenige Sekunden, maximal eine halbe Minute ziehen.

In China wird der Puh-Erh Tee bis zu vier Mal aufgegossen, da jeder Aufguss bringt eine neue Geschmacks- und Aromanuance mit sich.

Für eine Tasse nimmt man etwa einen geehäuften Teelöffel Pu-Erh. Als Richtwert gilt eine Ziehzeit von 3-5 Minuten.

In Geschmack und Farbe gibt es große Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Pu-Erh Tees. Ähnlich wie bei gutem Wein. Es wird beschrieben, dass durch die Reifung süße und feinsäuerliche Noten, Noten von Hölzern, Moos und Blüten zu schmecken sein können. Je nach Länge der Lagerung intensivieren sich verschiedene Aromen des Pu-Erh Tees.

Die Bandbreite ist groß. So wird zum Beispiel der Haiwan Brick torfig und anregend mit ein Hauch von Nuss und Holz im Abgang beschrieben, wohingegen der Puh Ehr Jingmai Shan Ripe Bing Cha mit einer ausgeprägt fruchtigen, blumigen Note, begleitet von Kakao daherkommt.

Wirkung

Puh-Erh Tee werden die unterschiedlichsten Heilwirkungen nachgesagt. Vor einiger Zeit wurde er sogar als Wunderwaffe zur Fettverbrennung gehyped. Laut chinesischer Überlieferung besitz Puh-Erh eine die Organe entschlackende und die Verdauung regulierende Wirkung. Fakt ist, dass er wie Schwarzer Tee sowohl Koffein als auch Theobromin enthält. Allerdings enthält er vergleichsweise weniger Koffein, dafür aber mehr Theobromin. Die Wirkung von Theobromin gilt zwar als ebenso anregend wie Koffein, allerdings wirkt Theobromin sanfter, aber länger anhaltend.

 

 


Quellen

http://www.tee-import.de/china/frchina.htm [01.04.16]
http://www.teehausammarkt.de [01.04.16]