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Kann ich nach Fukushima noch Tee aus Japan trinken?

Diese Frage stellen sich zurzeit viele Liebhaber von Sencha, Gyokuro und Matcha. Um ihnen die wichtigsten Fragen zum Thema Radioaktivität und japanischer Tee zu beantworten und um unabhängige Quellen zur Beantwortung Ihrer Fragen zum japanischen Grüntee zu liefern, möchte ich Ihnen hier alle Informationen zusammentragen, die mir zum aktuellen Stand in Japan vorliegen.

Mit dem Tsunami, der am 11. März 2011 nach einem Erdbeben der Stärke 8,9 über Japan zog, folgten über 20.000 Tote und Vermisste, über 500.000 Menschen wurden obdachlos. Angesichts dessen scheint es pietätlos, ausschließlich über die wirtschaftlichen Auswirkungen auf Teeproduktion und -Handel in Japan zu sprechen, die vor allem durch den folgenschweren Super-Gau des Atomreaktors Fukushima II im Norden Japans drohen. Sie finden deshalb am Ende des Artikels Informationen dazu, wie Sie für diese Menschen spenden können.

Von Hamsterkäufen und leeren Lagern: Der Run auf die Grünteevorräte

Was – nicht nur in Deutschland – auf die Katastrophe folgte, war ein Run vieler Kunden auf die Grünteevorräte ihrer Händler. Vom Gelegenheitstrinker bis hin zum Stammkunden wollten manche nur eines: Möglichst schnell möglichst viel Grüntee aus Japan einkaufen. Und so wussten in der Folge auch meine Großhändler von Teefachgeschäften zu berichten, die plötzlich für 15.000 € japanischen Grüntee einkaufen wollten, um die Wünsche ihrer Kunden zu befriedigen, obwohl sie sonst stets nur für 2-3 Tausend Euro kauften. Stammkunden kamen in mein Geschäft und baten um 2 Kilogramm des feinen Gyokuros oder um zehn Packungen der leckeren Senchas aus Shizuoka. All diese Hamsterkäufer musste ich enttäuschen: Wenn jeder Kunde noch etwas von der Grünteeproduktion des letzten Jahres abbekommen sollte, dann müssen Inhaber von Teefachgeschäften geduldig und standhaft bleiben. Wer nach dem ersten Hype alle Ware verkauft hatte, der blieb seitdem auf dem Trockenen sitzen und enttäuschte alle anderen Kunden.

Wie weit sind die japanischen Teeanbaugebiete von Fukushima entfernt?

Was zu diesen Panik-Käufen führte war sicherlich die Angst vor dem Aus der japanischen Teeproduktion. Eine Angst, die aus heutiger Sicht unbegründet scheint. Um dies zu verstehen, lohnt ein Blick auf die Karte und damit die wichtigsten Anbaugebiete von Tee in Japan.

Die drei größten Anbaugebiete Japans liegen in Shizuoka, Kagoshima und Mie. Shizuoka hält derzeit circa 40 Prozent der jährlichen Teeproduktion Japans, aus Kagoshima stammt circa 20 Prozent der japanischen Teeernte (Quelle). Bei Evas Teeplantage bekommen Sie hauptsächlich Japan-Tee aus der Präfektur Kagoshima in Kyushu (1.500 km von Fukushima entfernt), aus Shizuoka (ca. 600 km entfernt) und Uji (ca. 700 km entfernt).

Doch was sind schon Kilometer, mögen Sie einwenden. Wichtig ist doch, dass der Tee wirklich keine Strahlung abbekommt. Um das sicherzustellen, gibt es zahlreiche Kontrollmechanismen, die ich Ihnen hier vorstellen möchte.

Von Geigerzählern und Zollbeamten: Wer testet den Tee auf radioaktive Strahlung?

Als europäischer Teeliebhaber sind Sie doppelt geschützt. Denn jeder Tee wird zunächst direkt in den einzelnen Regionen Japans auf Strahlung getestet. Zusätzlich müssen die Analyseergebnisse allen Waren aus zwölf Präfekturen, einschließlich der hauptsächlich betroffenen (Fukushima, Miyagi und Ibaraki) den Einfuhrdokumenten beigefügt werden. Diese zwölf Präfekturen sind Fukushima, Gunma, Ibaraki, Tochigi, Miyagi, Niigata, Nagano, Yamanashi, Saitama, Tokyo und Chiba.

Alle Lebensmittellieferungen aus Japan werden an den Außenkontrollstellen der EU angehalten und überprüft. Waren aus den betroffenen Regionen dürfen nur eingeführt werden, wenn ein Gesundheitszertifikat aus Japan bescheinigt, dass keine überhöhte radioaktive Belastung vorliegt. Zusätzlich wird ein Teil der Sendungen weiteren analytischen Kontrollen unterzogen. Dieser Anteil beträgt laut der Verbraucherschutzzentrale Hamburg rund 10 Prozent aller Zertifikate. Um lückenlose Kontrollen zu gewährleisten und längere Wartezeiten zu vermeiden, müssen sämtliche Lieferungen aus Japan mindestens zwei Tage vor ihrer Ankunft an den EU-Außenkontrollstellen angemeldet werden. Bis auf Weiteres dürfen Lebensmittel aus Japan nur über wenige, ausgewählte Kontrollstellen in die EU eingeführt werden.

Bisher keine erhöhte Strahlenbelastung bei japanischen Lebensmitteln gemessen

Wir dürfen aufatmen: Bis heute wurde bei Lebensmittelimporten aus Japan keine überhöhte radioaktive Strahlung festgestellt (Bundesamt für Verbraucherschutz). Nach dem bisherigen Kenntnisstand über den Unfallablauf in Fukushima sind radiologisch relevante Kontaminationen außerhalb der Präfekturen Fukushima, Miyagi und Ibaraki nicht zu erwarten. Eine Prognose darüber, wie sich die Kontamination von Gütern aus diesen Präfekturen entwickeln könnte, ist derzeit jedoch nicht möglich.
Was überhöht und was normal ist, hat die Europäische Kommission gemeinsam mit den EU-Mitgliedstaaten am 8. April 2011 in einheitlichen, noch strengeren Grenzwerten für die radioaktive Belastung von Lebensmitteln festgelegt. Genauso wie in Japan gilt in der EU für Cäsium ein Grenzwert bei Milch und Milchprodukten von 200 Bq/kg (zuvor 1.000), für andere Lebensmittel 500 Bq/kg (zuvor 1.250) und für Getränke 200 Bq/kg (zuvor 1.000). Auch die Grenzwerte für Jod und Plutonium wurden abgesenkt (Verbraucherzentrale Hamburg).

Was muss ich als Grünteetrinker wissen?

Mit der hohen Zahl der Lebensmittelkontrollen, sowohl in Japan als auch an den Grenzen der Europäischen Union, kann es zu längeren Wartezeiten beim Import von Tee kommen. Deshalb ist es möglich, dass Ihr Händler japanische Tees in den kommenden Monaten nicht permanent vorrätig hat. Manche Großhändler veranlassen zusätzlich zu den japanischen und europäischen Kontrollen noch eigene Analysen ihrer importierten Tees. Dies kostet ebenfalls Zeit und ist für die Händler relativ teuer. Manche Grüntees werden deshalb wohl auch um ein bis mehrere Euro pro 100 g teurer im Verkaufspreis.

Sie wollen nicht nur Tee trinken, sondern auch helfen?

Falls Sie für die vielen Menschen in Japan, die ihr Haus und ihr Einkommen verloren haben, spenden wollen, finden Sie hier eine Übersicht an Spendenorganisationen, die das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen zusammengestellt hat. Diese Organisationen tragen das DZI Spenden-Siegel als Zeichen besonderer Förderungswürdigkeit.

Erfahren Sie mehr über Lebensmittel aus Japan nach der Katastrophe von Fukushima