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Genauso unterschiedlich wie die Geschmäcker in Bezug auf die beste Teesorte sind, scheiden sich an der Frage des Zuckers im Tee die Geister. Purist gegen Traditionalist: zwei (fast) unversöhnliche Tee-ologien treffen aufeinander, wenn es um das Thema Zucker im Tee geht. Die Frage, ob Zucker (und wenn ja welcher) den Tee verfeinert oder doch verfälscht, trennt die Gemüter in zwei Lager. Was ist dieses weiße Gold eigentlich? Wo kommt es her und was macht es mit unserem Tee?

Vom Zuckerrohr zum Kristallzucker

Auf der Suche nach den Ursprüngen des Zuckers landet man sehr schnell in Indien. Erste Belege für die Verwendung von Zucker als Süßungsmittel finden sich dort. Auch der Name für die kristalline, wasserlösliche Verbindung aus Sacchariden stammt von der altindischen Bezeichnung śárkarā (das Zerriebene, Körnige).

Vom altindischen śárkarā zum deutschen Zucker

Der Indienfeldzug Alexanders des Großen ist schuld daran, dass das altindische Wort ins Griechische übernommen wurde und zu sakcharon wurde. Das kommt doch schon sehr dem lateinischen Begriff saccharum nahe, von dem der Fachbegriff Saccharose abgeleitet ist. Mit Sacharose bezeichnen wir heute pflanzliche Zuckerarten.

Über das Arabische wurde das altindische śárkarā zum heutigen Wort Zucker und ist in vielen Sprachen noch erkennbar:

  • Arabisch: sukkar
  • Spanisch: azúcar
  • Französisch: sucre und davon abgeleitet das englische sugar
  • Italienisch: zucchero
  • Deutsch: Zucker

Vom unerschwinglichen Zuckerrohr zur billigen Zuckerrübe für Jedermann

Seit es Menschen gibt, verwenden wir Honig als Süßungsmittel. Lange Zeit war dies auch die einzige Zuckerquelle und Honig war sehr wertvoll.
In der pazifischen Inselwelt Melanesiens, einer Inselgruppe nordöstlich von Australien, kannte man bereits vor 10.000 Jahren eine Pflanze mit Namen Zuckerrohr. Die Kunde des Rohres, das ohne den Einsatz von Bienen Honig gab, verbreitete sich rasch bis nach Südostasien und durch Alexander den Großen gelangte das Zuckerrohr in den Mittleren Osten.
Durch die Kreuzritter gelangte das Zuckerrohr von dort im 11. Jahrhundert nach Mittel und Nordeuropa und wurde sehr beliebt. Allerdings nur bei Königen und Fürsten, denn es war nach wie vor, wie andere weit gereiste Gewürze, ein teurer und seltener Stoff.

Wenige Jahrhunderte später, Ende des 15. Jahrhunderts, entstanden auf den Antillen und später in Brasilien die ersten Zuckerrohrplantagen und Zucker wurde zum wichtigsten Handelsgut der Kolonie Brasilien.
Napoleon war es schließlich, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Frankreich dafür sorgte, dass Zucker irgendwann für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich wurde. 1747 hatte der deutsche Chemiker Andreas Sigismund Marggraf seine Forschungsergebnisse veröffentlicht, die eindeutig belegten, dass verschiedene heimische Rübensorten den gleichen Zucker enthalten, wie das Zuckerrohr. Napoleon machte sich diese Entdeckung zu Nutze und errichtete die erste profitable Anlage, die Zuckerrüben zu Zucker verarbeitete.
Um 1840 konnten in Deutschland bereits mehr als 20 Prozent des Zuckerverbrauchs durch Rübenzucker gedeckt werden, 1850 war es bereits die Hälfte.
In Europa ist Zucker aus Rüben deshalb so billig, weil der Zuckerrübenanbau stark subventioniert wird.

Was man aus Zuckerrohr und Zuckerrüben alles machen kann

Rohzucker kann man so wie er ist zum Süßen verwenden. Die Kristalle des Rohzuckers aus Zuckerrohr oder Zuckerrüben sind aber noch unrein und sehen schmutzig braun aus. Bei der Raffination des Rohzuckers entstehen verschiedene Produkte:
  • Melasse: Ein sirupartige Rest, der übrig bleibt, wenn Rohr- oder Rübenzucker kristallisiert. In nordeuropäischen Ländern wird sie oft bei der Brotherstellung verwendet.  Sie kann aber auch für die Rumherstellung in Alkohol umgewandelt werden.
  • Puderzucker ist einfach nur sehr fein vermahlener sehr fein gemahlener Kristallzucker
  • Kandiszucker wird heute industriell aus hochkonzentrierter Zuckerlösung hergestellt. In großen Kristallisierungsbehältern umfließt die Zuckerlösung mehrere Tage lang die entstandenen Zuckerkristalle, bis sie nach zwei bis drei Wochen eine Größe von bis zu 24 mm erreicht haben. Brauner Kandis  entsteht bei der Verwendung von karamellisierter Zuckerlösung.
    Kandis kann man zum Beispiel als Fadenkandis, Stangenkandis, Kandissticks, Kluntje oder Krümelkandis kaufen.

Zucker im Tee?

Die generelle Entscheidung, ob man Zucker im Tee möchte oder ihn lieber ohne Süßungsmittel trinkt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Die gesundheitsschädliche Wirkung von übermäßigem Zuckerkonsum ist hinreichend bekannt.
Zucker ist ein Geschmacksverstärker und kann bei manchen Teesorten das eigene Aroma unterstreichen.
Zum Süßen von aromatisierten Tee eignet sich eine kleine Menge des braunen Kandis, für alle nichtaromatisierten Tees eher der weiße. Für alle, die es gerne etwas gesünder mögen, dann eben Rohrzucker oder einen der vielen einheimischen Honige.
Dazu muss man wissen, dass Rohrzucker einen viel intensiveren Eigengeschmack besitzt, als raffinierter Rübenzucker. Auch Honig oder Agavensirup, Reissirup oder Kokosblütenzucker haben einen starken Eigengeschmack, eignen sich aber auch je nach Vorliebe als Zucker zum Tee.
Wer seinen Tee ohne Zucker süßen möchte, der kann auf Extrakte aus der Steviapflanze zurückgreifen.
Oder lieben Sie die ostfriesische Teekultur? Dann muss unbedingt Kandis in den Tee, denn in Ostfriesland trinkt man Tee mit Kluntjes und Sahne.

Auch der Purist kann seinen Tee, nach einem Winterspaziergang, mit Rumkandis zum Aufwärmen verfeinern. Ob mit oder ohne Zucker, die Menge macht’s und welcher Teetrinker möchte dem anderen schon seine Ansicht aufzwingen?!

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