Der heutige Artikel ist ein Griff in die Kulturgeschichte des Tees. Nach und nach werden wir auf dem Blog verschiedene Teekulturen, ihre Geschichte, Besonderheiten und Rituale vorstellen und Ihnen somit einen Blick über den Teetassenrand gewähren. Freuen Sie sich also auf einen informativen Herbst und Winteranfang. 🙂
Zu Beginn unserer Teeekulturreihe reisen wir in den hohen Norden von Deutschland – nach Ostfriesland. Hier wird laut einer Studie des Teeverbandes vom September 2012  mit 300 Liter pro Kopf im Jahr der meiste Tee weltweit konsumiert. Doch warum ist das so? Wie konnte sich Ostfriesland zu den Weltmeistern in Tee trinken entwickeln und für uns Teeliebhaber noch viel wichtiger, wie trinken die Ostfriesen denn ihren Tee?

Wie der Tee nach Ostfriesland kam

Eine Legende besagt, dass im Jahr 1694 ein Hamburger Segler auf einer Sandbank zwischen Langeoog und Baltrum strandete. Zu dem verloren Gut gehörte auch eine Kiste Tee, die die Friesen zunächst für getrocknetes Gemüse hielten und es zu einer Suppe mit Speck kochten. Ob diese Überlieferung der Wahrheit entspricht, weiß man nicht. Tatsache ist allerdings, dass die Nähe zu den Holländern, die selbst erfolgreiche Teeexporteuere im 17. Jahrhundert waren, die Eingliederung des Teetrinkens in den Ostfriesischen Alltag beschleunigt haben muss. Da Friesland zeitweise eine niederländische Provinz war, standen viele Seeleute im Dienst der „Niederländischen Ostindien Kompanie“ und kamen so in regelmäßingen Kontakt mit dem aus China kommenden Getränk. Ein anderer Faktor, der den schnell steigenden Teekonsun in Ostfriesland begünstigte, war die schlechte Wasserqualität ostfriesischer Brunnen. Der moorige und torfhaltige Boden sowie das Brackwasser verunreinigten das Trinkwasser. Um das Trinkwasser überhaupt nutzen zu können, musste es abgekocht werden. Ein paar Teeblätter waren schnell hinzugefügt und machten vermutlich das Wasser genießbarer. Aus diesem Grund sagt man auch den Ostfriesen nach, dass sie ihren „Tee mit zwei Stück Torf“ trinken würden.

Im Jahr 1751 gründete Friedrich der Große in Emden seine „Köngliche Preußische Asiatische Handelskompanie“ und wurde selbst zum Teeexporteur. Emden wurde in dieser Zeit stille Hauptstadt des preußischen Teezentrums. Doch im Laufe der Zeit nahm die wirtschaftliche Wichtigkeit der Häfen von Hamburg, Lübeck sowie Bremen zu und Ostfriesland fiel zurück. Der Tee war aber heimisch geworden und ging auch weiterhin in Emden an Land.

Einige Jahre später löste Friedrich der Große die Kompanie allerdings wieder auf und im Jahre 1777 erteilte er ein landesweites Verbot von Tee. Er bezeichnete es als„chinesisches Drachengift“ und war von der Gesundheitsgefährdung des Getränkes überzeugt. Wie es zu dem Sinneswandel kam, ist nicht bekannt. Es wird jedoch gemunkelt, dass hinter dem Verbot eine gute Lobbyarbeit der Bierbrauer in Deutschland stand. Trank man früher zu den Mahlzeiten einen Humpen Bier, wurde dieser nun durch eine Tasse Tee ersetzt. Die Bierbrauer befürchteten durch die Konkurrenz des neuen Getränkes starke Umsatzeinbußen. Doch Ostfriesland wehrte sich vehement und letztendlich erfolgreich gegen den Erlass Friedrich des Großens.

Die letzte teeknappe Epoche in der Geschichte Ostfrieslands war die Zeit kurz nach dem 2. Weltkrieg, als nicht nur das Essen sondern auch der Tee in Rationen ausgegeben wurden. Die Ostfriesen betrieben daraufhin wahrliche Hamsterfahrten ins Ruhrgebiet, um Speck und Butter für ihren geliebten Tee einzutauschen. Den dortigen Bergleuten war nämlich eine höhere Teeration zugesprochen worden, da sie Schwerstarbeit leisteten.

Wie die Ostfriesen ihren Tee trinken

Das Motto „Ostfriesische Gemütlichkeit hält stes ein Kopje Tee bereit“  beschreibt die Ostfriesische Teekultur passend, denn Tee trinken die Ostfriesen gleich zu vier festen Teezeiten – natürlich direkt nach dem Aufstehen, gegen 11 Uhr beim Elführtje, um 15 Uhr beim bekannteren Teetied und auch vor dem Schlafen gehen, wird nochmals genussvoll zur Teetasse gegriffen. Je nach Tageszeit und -form wird der meist schwarze Tee entweder anregend oder beruhigend zubereitet. Die Zubereitung und das Trinken des Tees folgt in Ostfriesland festen Regeln, weshalb man auch von der „Ostfriesischen Teezeremonie“ spricht. Und das sind die einzelnen Schritte für eine gelunge ostfriesische Teezeremonie:

  1. Zunächst spült man die Teekanne mit kochendem Wasser aus, wodurch sie erwärmt wird. Die Kanne wird von den Ostfriesen Trekkpott genannt. Für die starke Dosierung des Tees gilt die Faustregel „Einen Teelöffel pro Tasse und zum Schluss noch einen für den Pott“.
  2. Die Teeblätter werden in den Trekkpott gefüllt und mit so viel heißem Wasser übergossen, dass sie gerade bedeckt sind. Während der Ziehzeit (bis zu 3 Minuten für eine anregende, bis zu 5 Minuten für eine beruhigende Wirkung) steht der Trekkpott entweder auf dem Ofen oder auf einem Stöfchen.
  3. Nach Ablauf der Ziehzeit wird die restliche Kanne mit heißem Wasser aufgefüllt. Zum Servieren wird entweder jede einzelne Tasse gesiebt oder der gesamte Kanneninhalt wird durch ein Sieb in eine extra vorgewärmte Servierkanne umgefüllt. Den Ostfriesen ist es nämlich sehr wichtig, dass ihr Tee heiß serviert wird.
  4. Bevor der Tee nun in die Tasse gegossen wird, lässt man ein großes Stück weißen Kantiszucker, Kluntje genannt, hineinfallen. Das klirrende Geräusch signatlisiert den Beginn des Tee trinkens.
  5. Vorsichtig übergießt man den Kluntje mit heißem Tee. Es wird allerdings nur so viel eingeschenkt, dass der Kluntje gerade bedeckt ist bzw. noch eine kleine Spitze hinausschaut. Dieses Mal entsteht ein angenehmes Knistergeräusch, wenn sich der Kluntje im Tee auflöst.
  6. Schließlich lässt man noch mit einem gebogenen Sahnelöffel, dem Rohmlepel, langsam etwas Sahne vom Tassenrand in den Tee gleiten. Die Sahne im Tee sieht wie eine Wolke aus und wird deshalb als Wulkje bezeichnet. Manche Ostfriesen erkennen in ihr Symbole und können mit ihr die Zukunft vorhersagen. 🙂
  7. Trinken und genießen! Doch Achtung: der Tee darf nicht umgerüht werden! Ostfriesischer Tee besitzt drei Schichten, durch die man sich trinkt. Zunächst die kühle Sahne, dann der herb-aromatische schwarze Tee und schließlich der süße angeschmolzene Kandisberg.
  8. Beachten Sie bitte, dass „drei Tassen Ostfriesenrecht sind“ und so viel auch getrunken werden sollten, wenn Sie zum Tee eingeladen werden. Möchten Sie danach keinen weiteren Tee mehr, müssen Sie den Teelöffel in die Tasse legen. Das signalisiert dem Gastgeber, das man genug hat. Anderenfalls würde er immer und immer wieder nachschenken…
  9. Nach dem Teegenuß wird der Trekkpott lediglich mit heißem Wasser gespült, damit die mit der Zeit entstehende Schicht erhalten bleibt.

Was ist Ostfriesentee bzw. eine Ostfriesischer Teemischung

Wie bereits angedeutet, trinken die Ostfriesen überwiegend schwarzen Tee und auch insbesondere für ihre Teezeremonie verwenden sie vor allem Ostfriesischen Teemischungen. In unserem Shop können Sie zwei verschiedene Mischungen erwerben – den Ostfriesentee-Sonntagstee mit Vanille und den Ostfriesentee Golden Tipped. Doch vielleicht fragt sich manch ein Leser, was der Tee mit Ostfriesland zu tun hat, da er dort ja nicht angebaut wird. Er wird in Ostfriesland aber gemischt. Das ist allerdings auch schon die einzige Vorraussetzung, um Ostfriesische Teemischung oder Ostfriesentee auf das Etikett schreiben zu dürfen, da die Begriffe frei und ungeschützt ist. Das bedeutet, dass man nicht genau weiß, was alles in so einer Mischung drin sein kann bzw darf. Ostfriesentee ist in der Regel eine Mischung aus recht starken schwarzen Tee aus Assam und milderem Java (wie es bei unseren Mischungen der Fall ist), wobei Assam den Hauptbestandteil ausmacht. Es können aber auch Tees aus Ceylon oder Darjeeling der Ostfriesischen Teemischung beigefügt sein.

Wenn Sie jetzt Lust bekommen haben, eine Ostfriesische Teezeremonie zuhause zum Elführtje oder zum Teetied auszuprobieren, finden Sie in unserem Shop nicht nur die zwei genannten Teemischungen sondern auch Kluntje. Wir wünschen viel Spaß beim Genießen!

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Teekultur in Ostfriesland, Ostfriesische Teekultur

Quellen

Krekel, Sigrid: Tee. Umschau Buchverlag 2013.
Schemp, Tilmann: Tee – Geschichte, Kultur, Genuss. Thorbecke Verlag der Schwabenverlag AG 2006.
http://www.essen-und-trinken.de/tee/ostfriesische-teezeremonie-1018731.html#1018740- [18.10.2015]
http://www.tee-magazin.de/das-drachengift-aus-china/ [18.10.2015]
http://www.teeverband.de/presse/presse_texte/Rund_um_Tee-Teeverband/2013/5-beliebt.php [Stand 18.10.2015]

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