Heute entführen wir Sie wieder einmal in die Kulturgeschichte des Tees. Hier im Blog gibt es schon einige Artikel zu den verschiedenen Teekulturen, ihre Geschichte, Besonderheiten und Rituale. So gewähren wir Ihnen einen spannenden Blick über den Teetassenrand. Diesmal führt unserer Teekulturreihe wieder in Deutschlands hohen Norden – nach Ostfriesland. Hier wird laut einer Studie des Teeverbandes von 2018 mit 300 Liter pro Kopf im Jahr der meiste Tee weltweit konsumiert. Im Rest des Landes sind es gerade mal 27,5 Liter. Doch weshalb ist das so? Welche Geschichte steckt hinter dem Ostfriesentee? Wie konnte sich Ostfriesland zum Weltmeister im Teetrinken entwickeln und für uns Teeliebhaber noch viel wichtiger, wie trinken die Ostfriesen denn ihren Tee?

Wie der Tee nach Ostfriesland kam

Der Legende nach strandete im Jahr 1694 ein Hamburger Segler auf einer Sandbank zwischen Langeoog und Baltrum. Zur verlorenen Ladung gehörte auch eine Kiste mit Teeblättern. Die Friesen hielten das Grünzeug zunächst für getrocknetes Gemüse und kochten daraus zusammen mit fettem Speck einen Eintopf.

Ostriesentee und seine Geschichte

Ob diese Überlieferung der Wahrheit entspricht, weiß man nicht. Tatsache ist allerdings, dass die Nähe zu den Holland, einer erfolgreichen Teeexport-Nation im 17. Jahrhundert, die Ritualisierung des Teetrinkens im ostfriesischen Alltag beschleunigt haben muss. Da Friesland zeitweise eine niederländische Provinz war, standen viele Seeleute im Dienst der „Niederländischen Ostindien Kompanie“ und kamen so in regelmäßigen Kontakt mit dem aus China kommenden Getränk.

Schlechte Trinkwasserqualität im 17. Jahrhundert

Ein anderer Faktor, der den schnell ansteigenden Teekonsum in Ostfriesland begünstigte, war die schlechte Wasserqualität ostfriesischer Brunnen. Der moorige und torfhaltige Boden sowie das Brackwasser verunreinigten das Trinkwasser. Um das Trinkwasser überhaupt genießbar zu machen, musste es abgekocht werden. Ein paar Teeblätter waren schnell hinzugefügt und machten vermutlich das Wasser schmackhafter. Aus diesem Grund sagt man auch den Ostfriesen nach, dass sie ihren „Tee mit zwei Stück Torf“ trinken würden.

Friedrich der Große wird Teeexporteur

Im Jahr 1751 gründete Friedrich der Große in Emden seine „Köngliche Preußische Asiatische Handelskompanie“ und wurde selbst zum Teeexporteur. Emden wurde in dieser Zeit stille Hauptstadt des preußischen Teezentrums. Doch im Laufe der Zeit nahm die wirtschaftliche Bedeutung der Häfen von Hamburg, Lübeck sowie Bremen zu und Ostfriesland fiel zurück. Der Tee jedoch war heimisch geworden und ging auch weiterhin im ostfriesischen Emden an Land.

Verbot von Tee und Teeknappheit

Einige Jahre später löste Friedrich der Große die Kompanie allerdings wieder auf und im Jahre 1777 erteilte er ein landesweites Verbot von Tee. Er bezeichnete es als „chinesisches Drachengift“ und war von der Gesundheitsgefährdung des Getränkes überzeugt. Wie es zu dem Sinneswandel kam, ist nicht bekannt. Es wird jedoch gemunkelt, dass hinter dem Verbot eine gute Lobbyarbeit der Bierbrauer in Deutschland stand. Trank man früher zu den Mahlzeiten einen Humpen Bier, wurde dieser nun durch eine Tasse Tee ersetzt. Die Bierbrauer befürchteten durch die Konkurrenz des neuen Getränkes starke Umsatzeinbußen. Doch Ostfriesland wehrte sich vehement und letztendlich erfolgreich gegen den Erlass Friedrich des Großen.

Die letzte teeknappe Epoche in der Geschichte Ostfrieslands war die Zeit kurz nach dem 2. Weltkrieg, als nicht nur das Essen, sondern auch der Tee in Rationen ausgegeben wurden. Die Ostfriesen betrieben daraufhin wahrlich Hamsterfahrten ins Ruhrgebiet, um Speck und Butter für ihren geliebten Tee einzutauschen. Den dortigen Bergleuten war nämlich eine höhere Teeration zugesprochen worden, da sie Schwerstarbeit leisteten.

Wie die Ostfriesen ihren Tee trinken

Das Motto „Ostfriesische Gemütlichkeit hält stes ein Kopje Tee bereit“  beschreibt die Ostfriesische Teekultur passend, denn Tee trinken die Ostfriesen gleich zu vier festen Teezeiten – natürlich direkt nach dem Aufstehen, gegen 11 Uhr beim Elführtje, um 15 Uhr beim bekannteren Teetied und auch vor dem Schlafen gehen, wird nochmals genussvoll zur Teetasse gegriffen. Je nach Tageszeit und -form wird der meist schwarze Tee entweder anregend oder beruhigend zubereitet. Die Zubereitung und das Trinken des Tees folgen in Ostfriesland festen Regeln, weshalb man auch von der „Ostfriesischen Teezeremonie“ spricht. Und das sind die einzelnen Schritte für eine gelunge ostfriesische Teezeremonie:

Die einzelnen Schritte der Ostfriesischen Teezeremonie

  1. Zunächst spült man die Teekanne mit kochendem Wasser aus, wodurch sie erwärmt wird. Die Kanne wird von den Ostfriesen Trekkpott genannt. Für die starke Dosierung des Tees gilt die Faustregel „Einen Teelöffel pro Tasse und zum Schluss noch einen für den Pott“.
  2. Die Teeblätter werden in den Trekkpott gefüllt und mit so viel heißem Wasser übergossen, dass sie gerade bedeckt sind. Während der Ziehzeit (bis zu 3 Minuten für eine anregende, bis zu 5 Minuten für eine beruhigende Wirkung) steht der Trekkpott entweder auf dem Ofen oder auf einem Stöfchen.
  3. Nach Ablauf der Ziehzeit wird die restliche Kanne mit heißem Wasser aufgefüllt. Zum Servieren wird entweder jede einzelne Tasse gesiebt oder der gesamte Kanneninhalt wird durch ein Sieb in eine extra vorgewärmte Servierkanne umgefüllt. Den Ostfriesen ist es nämlich sehr wichtig, dass ihr Tee heiß serviert wird.
  4. Bevor der Tee nun in die Tasse kommt, lässt man ein großes Stück weißen Kantiszucker, Kluntje genannt, hineinfallen. Das klirrende Geräusch signalisiert den Beginn des Tee trinkens.
  5. Vorsichtig übergießt man den Kluntje mit heißem Tee. Es wird allerdings nur so viel eingeschenkt, dass der Kluntje gerade bedeckt ist bzw. noch eine kleine Spitze hinausschaut. Dieses Mal entsteht ein angenehmes Knistergeräusch, wenn sich der Kluntje im Tee auflöst.
  6. Schließlich lässt man noch mit einem gebogenen Sahnelöffel, dem Rohmlepel, langsam etwas Sahne vom Tassenrand in den Tee gleiten. Die Sahne im Tee sieht wie eine Wolke aus und wird deshalb als Wulkje bezeichnet. Manche Ostfriesen erkennen in ihr Symbole und können mit ihr die Zukunft vorhersagen. 🙂
  7. Trinken und genießen! Doch Achtung: Der Tee darf nicht umgerührt werden! Ostfriesischer Tee besitzt drei Schichten, durch die man sich trinkt. Zunächst die kühle Sahne, dann der herb-aromatische schwarze Tee und schließlich der süße angeschmolzene Kandisberg.
  8. Nach dem Teegenuß wird der Trekkpott lediglich mit heißem Wasser gespült, damit die mit der Zeit entstehende Schicht erhalten bleibt.

Friesentee trinken, aber richtig!

Beachten Sie bitte, dass beim Friesentee Trinken „drei Tassen Ostfriesenrecht sind“ und so viel auch getrunken werden sollten, wenn Sie zum Tee eingeladen werden. Möchten Sie danach keinen weiteren Friesentee mehr trinken, müssen Sie den Teelöffel in die Tasse legen. Das signalisiert dem Gastgeber, das man genug hat. Anderenfalls würde er immer und immer wieder nachschenken…

Was ist Ostfriesentee bzw. eine Ostfriesische Teemischung?

Wie bereits angedeutet, trinken die Ostfriesen überwiegend schwarzen Tee. Insbesondere für ihre Teezeremonie verwenden sie vor allem Ostfriesische Teemischungen. In unserem Shop können Sie zwei verschiedene Mischungen erwerben – den Ostfriesentee-Sonntagstee mit Vanille und den Ostfriesentee Golden Tipped.

Fragen Sie sich, was der Tee denn nun mit Ostfriesland zu tun hat? Schließlich gibt es in Norddeutschland keine Teeplantagen. Das nicht, aber er wird in Ostfriesland gemischt. Das ist allerdings auch schon die einzige Voraussetzung, um ostfriesische Teemischung oder Ostfriesentee auf das Etikett schreiben zu dürfen. Die Begriffe sind nicht geschützt. Das bedeutet, dass man nicht genau weiß, was alles in so einer Mischung drin sein kann, bzw. darf. Ostfriesentee ist in der Regel eine Mischung aus recht starken schwarzen Tee aus Assam und milderem Java (wie es bei unseren Mischungen der Fall ist), wobei Assam den Hauptbestandteil ausmacht. Es können aber auch Tees aus Ceylon oder Darjeeling der ostfriesischen Teemischung beigefügt sein.

Wenn Sie jetzt Lust bekommen haben, eine Ostfriesische Teezeremonie zuhause zum Elführtje oder zur Teetied auszuprobieren, finden Sie in unserem Shop nicht nur die zwei genannten Teemischungen sondern auch Kluntje. Wir wünschen viel Spaß beim Genießen!

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Teekultur in Ostfriesland, Ostfriesische Teekultur

Titelbild: © Thomas Stephan / unsplash.com

Quellen

Krekel, Sigrid: Tee. Umschau Buchverlag 2013.
Schemp, Tilmann: Tee – Geschichte, Kultur, Genuss. Thorbecke Verlag der Schwabenverlag AG 2006.
http://www.essen-und-trinken.de/tee/ostfriesische-teezeremonie-1018731.html#1018740- [Stand 09.04.2019]
http://www.tee-magazin.de/das-drachengift-aus-china/ [Stand 09.04.2019]
http://www.teeverband.de/presse/presse_texte/Rund_um_Tee-Teeverband/2013/5-beliebt.php [Stand 09.04.2019]

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