Teekenner wissen: Tee aus Teebeuteln ist geschmacklich nicht mit losem Tee vergleichbar. Was sind die Gründe dafür?

Was ist Beuteltee?

Als Teebeutel (oder Aufgussbeutel) bezeichnet man eine vordosierte Menge an stark zerkleinerten Teeblättern (= Fannings), die in der Regel in Filterpapier fest verschlossen ist. Etwa 75 Prozent des weltweiten Teekonsums erfolgt durch Aufgussbeutel. In Deutschland sind es laut eines Berichts des WDR sogar 80 Prozent.

Entstehung von Teebeuteln

Teebeutel sind ebenso wie der Eistee einer Erfindung aus Amerika. Der New Yorker Teeimporteuer Thomas Sullivan versuchte 1908 Verpackungskosten zu sparen. Er nähte seine Teeproben in kleine Seidenbeutel ein, anstatt sie in Metaldöschen zu verschicken. Die Nachfrage stieg daraufhin stark an. Jedoch waren die Kunden sehr enttäuscht, dass der bestellte Tee weiterhin in den Dosen geliefert wurde. Sullivan beugte sich schnell den Wünschen seiner Kundschaft und lieferte auch die Bestellungen in den handlichen Beuteln. Allerdings sparte er mit der Zeit abermals am Material: die Seide wurde erst durch weniger kostspieliges Musselin und später durch günstiges Papier ersetzt.

Beuteltee oder loser Tee: Offener Tee ist in der Qualität viel leichter zu beurteilen als Tee im Beutel. Gute Qualität hat ihren Preis.

Es gibt durchaus hochwertigen Beuteltee. Zum Beispiel vom Bio-Tee-Produzenten Sonnentor. Sie verkaufen nicht nur offenen Kräutertee, sondern auch jede Menge guter Teesorten im Beutel. Das hat jedoch auch seinen Preis.

Qualität von Beuteltee

Die Vorstellung, dass Teebeutel grundsätzlich nur Abfälle der Teeproduktion enthalten ist falsch. Beuteltee oder loser Tee? Die Qualität des Tees hängt in erster Linie von der Herstellung und nicht von der Herkunft oder Form des Tees ab. Werden die Teeblätter liebevoll und sorgfältig von Hand gepflückt und verarbeitet, zeugt der Tee von einer besseren Qualität, als maschinell geerntete Blätter. Im zweiten Fall können sich auch leicht Ästchen der Teepflanze zwischen die Teeblätter mischen. Ob dies so ist, lässt sich mit bloßem Auge bei losem Tee besser erkennen als bei den stark zerkleinerten Teeblättern in Beutelform. Dies ist demnach ein großer Minuspunkt der Aufgussbeutel, denn ob sich im Beutel hochwertige Teeblätter oder lediglich stark aromatisierter Pflanzenstaub befindet, weiß nur der Hersteller.

Weiterhin enthalten Teeblätter Mineralstoffe und ätherische Öle, die als Grundlage für das Aroma des Tees dienen. Beim Zerkleinern der Teeblätter können die ätherischen Öle verdunsten. Folglich verliert der Tee sein Aroma und wird fad im Geschmack. Um den Geschmacksverlust auszugleichen, werden Teebeuteln zusätzliche Aromen hinzugefügt. Mitunter werden Teebeuteln sogar mit Aromen übersättigt.

Übrigens die Tatsache, je kleiner die Struktur des Teeblattes desto kräftiger des Geschmack des zubereiteten Getränks, ist kein Widerspruch. Manche Teesorten besitzen z. B. einen blumigen, leichten Geschmack. Dieser geht durch die starke Zerkleinerung der Teeblätter verloren und übrig bleibt ein bitteres, herbes Aroma. Der Geschmack wird also fad.

Weitere Abstriche macht der Geschmack von Beuteltee aufgrund seiner Verpackung: das verwendete Filterpapier kann die Entfaltung des Teearomas beeinträchtigen.

Beuteltee oder loser Tee: Offener Tee ist in der Qualität viel leichter zu beurteilen als Tee im Beutel.

Beuteltee oder loser Tee: Offener Tee ist in der Qualität viel leichter zu beurteilen.

 Vorteile von losem Tee gegenüber Beuteltee

Aber Beuteltee ist nicht generell schlecht. Es gibt durchaus auch Qualitätsvorteile von Beuteltee gegenüber losem Tee. Das Institut für Lebensmittelchemie der TU Braunschweig untersuchte stichprobenartig Beuteltee und losem Tee. Von allen Sorten wurden genau 2g Tee entnommen und mit genau der gleichen Menge Wasser aufgebrüht. Jeweils nach einer Minute, nach zwei und fünf Minuten wurden Tests mit den aufgebrühten Tees durchgeführt.

Dabei kam heraus, dass Beuteltee deutlich mehr Koffein abgibt, mehr gelöste Feststoffe freisetzt und mehr gesundheitsfördernde Poloyphenole aufweist. Es wird aber am Ende der Studie deutlich daraufhin gewiesen, dass diese Tests keine Aussagen über das Aroma des Tees zulassen. Beuteltee oder loser Tee: Das ist nicht immer eine Frage der Qualität, sondern vor allem der persönlichen Vorlieben.

Weitere Vorteile von losem Tee gegenüber den Teebeuteln

  • Loser Tee ist individuell dosierbar und kann daher besser an die eigenen Geschmacksvorlieben angepasst werden.
  • Man glaubt es kaum, aber loser Tee ist mitunter preisgünstiger. Als Vergleichsbasis dient hierfür der Grammpreis und die Möglichkeit des Mehrfachaufgusses.
  • Es gibt eine größere Viefalt an Mischungen und Aromen: Nur die gängigsten teesorten werden als Aufgussbeutel produziert.
  • Loser Tee ist länger haltbar: Getrockneter Tee verliert beim Kontakt mit Sauerstoff sein Aroma. Die zerkleinerten Blättern besitzen eine größere Oberfläche, die mit der Luft reagieren kann, daher altern sie schneller.

Beuteltee oder loser Tee, was ist besser?

Betrachten Sie Teebeutel einfach als Fast Food unter den Tees. Hin und wieder passen sie durch ihr einfache Handhabung ganz gut in den Alltag z. B. ins Büro oder im Urlaub. Doch wirklicher Teegenuss braucht seine Zeit.

 

Quellen:

Slavin, Sara / Petzke, Karl: Tee: Kultur & Genuß. Walter Hädecke 1998.
Schmidt, Rainer: Das Teebuch. Braumüller Verlag 2013.
Haller-Zingerling, Cornelia: Die Welt des Tees. Neuer Umschau Buchverlag GmbH 2014.
Ulmer, Patrick / Weegner, Moritz: Tee – Wie man aus Wasser Freude macht. Franckh Kosmos Verlag 2014.
http://www.wdr.de/tv/applications/fernsehen/wissen/quarks/pdf/Q_Tee.pdf [03.12.2015].

 

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