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Was haben Menschen aus China, England, Russland oder Deutschland gemeinsam?

Bei fast zwei Drittel der Weltbevölkerung steht auf dem Frühstückstisch eine Tasse Tee. Und das Getränk wird immer beliebter: etwa 120.000 Tassen werden täglich getrunken und im Jahr 2014 produzierte der Weltmarkt erstmals fünf Millionen Tonnen Teeblätter.
Wenn man von Tee spricht, dann ist in der Regel die Rede von Blättern der Teepflanze Camellia sinensis. Alleine die Weiterverarbeitung bestimmt darüber, ob Schwarztee, Grüntee oder Weißer Tee beim Teeliebhaber ankommt.

Teetrinken ist nicht nur das Mittel zum Zweck, um Durst zu löschen. Hier geht es um Lebensgefühl, Genuss und Tradition. Diese sind von Land zu Land teilweise sehr unterschiedlich, basieren aber alle auf demselben Ausgangsstoff: Tee. Und haben immer auch eine gesellschaftliche, gemeinsame Komponente.

China

Als weltweit älteste Teekultur der Welt besitzt China eine bis heute sehr traditionelle Teekultur.  Bereits im Jahr 221 vor Christus gab es eine Steuer auf Tee, der damals noch hauptsächlich als Medizin verabreicht wurde.
Bis in die heutige Zeit hat die chinesische Teekultur drei sogenannte Schulen der Teekunst durchlaufen. Diese drei Schulen sind in drei verschiedenen Epochen der Kultur entstanden. Aktuell wird hauptsächlich die jüngste, die „Gong Fu Cha“-Schule zelebriert. Um diese Kunst ausführen zu können bedarf es einen eigens ausgebildeten Teemeister und spezielles Teegeschirr.

Japan

Ursprünglich basiert das japanische Teeritual auf der chinesischen Teekunst. Mit der Zeit jedoch hat es sich immer mehr verkompliziert und einer eigenen Philosophie zugeschrieben: dem Zen Buddhismus.  Auch in Japan hier gibt es bestimmte Gegenstände, die ausschließlich zur Zubereitung und zum Servieren des Tees gedacht sind. Es wird zwischen drei Schulen und vier Arten der Teezeremonie unterschieden. Für jedes erdenkliche Detail gibt es Regeln, die zu befolgen sind. Von der zu tragenden Kleidung, über die zu reichende Mahlzeit bis hin zum Blumenarrangement ist alles vorgeschrieben. Der Tee wird generell in einem ruhig gelegenen und schlicht eingerichteten Teehaus eingenommen, das ebenfalls nach strikten Vorgaben errichtet wird.

Großbritannien

Über den Ursprung der britischen Teekultur erzählt man sich unterschiedliche Geschichten. Unter anderem die, dass eine Köchin Mitte des 17. Jahrhunderts aus Unwissenheit die Teeblätter als Spinatersatz servierte und den eigentlich schmackhaften Aufguss entsorgte.
Seinen glorreichen Siegezug trat der Tee erst an, als eine englische Königin den Afternoon Tea zum Kult werden ließ.

Tibet

Anfangs stark beeinflusst von der chinesischen Teekultur hat sich in Tibet ein ganz eigenes Getränk entwickelt: der Buttertee.
Mehrmals am Tag getrunken und speziell verfeinert.  Hergestellt wird er aus Teeziegeln, die aus Teepulver und Reiswasser gepresst und dann getrocknet werden. Zur Teezubereitung werden diese in einen Kessel mit Wasser gegeben und darin aufgekocht. Anschließend wird das Ganze in einem Holzgefäß mit Butter und Salz verrührt und heiß serviert.

Türkei

Alten Geschichten zufolge ist der Tee einst durch die Händler der Seidenstraße in die Türkei gekommen.  Dies wäre auch eine Erklärung für den türkischen Namen  „Çay“ – (gesprochen tschai )–  und der Ähnlichkeit zum chinesischen „Cha“.
Im Osmanischen Reich versuchte man sogar in der Nähe der ehemaligen Hauptstadt Bursa eigenen Tee anzubauen doch mit dürftigem Erfolg. Erst nach dem türkische Befreiungskrieg Anfang des des 20. Jahrhunderts gelang der Teeanbau nach georgischem Vorbild.
Heute spielt der Tee im Tagesablauf der türkischen Bevölkerung eine wichtige Rolle. Bestimmte Rituale haben sich herausgebildet, die zu einer typischen, türkischen Teezeremonie gehören. Dazu  zählt auch die Teezubereitung im Samowar. Dieser große Wasserbehälter wird entweder elektrisch oder über einen innenliegenden Kohleschacht erhitzt.
Der Tee wird heiß und mit viel Zucker, aber ohne Milch getrunken.

Deutschland

Auch in Deutschland hat Teetrinken eine lange Tradition. Besonders in Ostfriesland wird seit Jahrhunderten gerne Tee getrunken. Man versuchte mit Teeblättern dem schlechten Geschmack des Brunnenwassers entgegenzuwirken. Das moorige und torfhaltige Brackwasser wurde durch ein paar Teblätter genießbarer.
Die Ostfriesen sind übrigens Weltmeister im Teetrinken. Noch vor Irland (242l) und Kuwait (296l) trinken die Bewohner ganze 300 Liter Tee pro Jahr und Kopf.

 

Auch wenn man weltweit unterschiedlichste Teekulturen vorfindet, zwei Dinge haben doch alle Zeremonien gemeinsam: sie beschäftigen sich auf besondere Weise mit Tee und dient der geselligen Zusammenkunft von Menschen: Teetrinken verbindet.

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